avm ovation cs 8.3 s test: der unscheinbare wolf

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AVM hat beim Ovation CS 8.3 S fast alles unter der Haube erneuert – für das bisher beste AVM All-in-One-Gerät. Der unauffällige Alleskönner markiert gleichzeitig den Beginn einer ganzen Serie neuer Modelle.

Dieser Aufwand bei der Konstruktion dient nicht nur der Optik, sondern auch der Wärmeableitung. Unter der unscheinbaren Haube verbirgt sich ein Stereo-Endverstärker, der beeindruckende 550 Watt pro Kanal liefert, so AVM. In dieser Leistungsklasse sind andere Geräte normalerweise mit auffälligen Kühlrippen ausgestattet. Der Ovation CS 8.3 S benötigt diese jedoch nicht, da er – wie seine Vorgänger – die Ausgangsleistung aus einem äußerst effizienten Class-D-Verstärker mit Schaltnetzteil bezieht. Dies hält nicht nur die Wärmeentwicklung in Grenzen, sondern auch das Gewicht. Trotz des großzügigen Gehäuses wiegt das Gerät nur etwa 15 Kilogramm und ist damit der beste Beweis dafür, dass High-End-Geräte nicht zwangsläufig sperrig und schwer sein müssen.

“AVM-Geräte sollen das Wohnzimmer nicht dominieren, sondern sich unauffällig integrieren”, erklärt Udo Besser, der langjährige Geschäftsführer und Inhaber der Audio Video Manufaktur, treffend. Der Hersteller aus dem Landkreis Karlsruhe setzt seit Jahren auf ein zeitloses Design mit klaren Linien und reduzierter Formensprache, das sich konsequent durch alle Produktlinien zieht. Aufgrund des flexiblen Baukastensystems von AVM und der Möglichkeit, ganze Serien mit unterschiedlichen Ausstattungsvarianten abzuleiten, sind die zahlreichen Modelle oft schwer zu unterscheiden.

Es ist an der Zeit für eine kurze Einordnung: Die “Ovation Line” umfasst bei AVM die hochwertigsten und technisch anspruchsvollsten Geräte. Hier positioniert sich der Ovation CS 8.3 S als neues Flaggschiff der All-in-One-Serie. Er ersetzt nicht nur die Vorgängermodelle CS 8.3 (16.000 Euro) und CS 8.3 “Black Edition” (18.000 Euro), sondern markiert auch den Beginn der neuen Ovation-S-Line.

Das “S” steht dabei für den neuen S-DAC, ein steckbares DAC-Modul, das bisher als Upgrade für die Ovation Line unter der Bezeichnung “Ovation D/A Converter” (2.700 Euro) angeboten wurde und nun serienmäßig in den neuen Geräten verbaut ist. Das Modul ist mit dem ES9038PRO aus der Sabre-Pro-Serie von ESS Technology bestückt, der zu den leistungsfähigsten und rauschärmsten D/A-Wandlerchips überhaupt gehört.

Die neue Ovation-S-Line macht damit sowohl technologisch als auch preislich einen deutlichen Schritt nach vorne: Für das vollausgestattete Topmodell sind nun knapp 21.000 Euro fällig. Dafür erhält man nicht nur den neuen S-DAC, sondern auch zahlreiche Ausstattungsmerkmale, die seine Vorgänger bisher nicht bieten konnten.

Ein Neuanfang

Einige der Neuerungen wurden in den letzten fünf Jahren bereits in anderen Modellen angedeutet. Die Generationsbezeichnung “.3” weist seit 2020 auf die mit dem Ovation CS 8.3 eingeführte X-Stream Engine und die neue “RC X”-App hin, die das alte Streamingmodul und die “RC S”-App ersetzt haben. Diese werden kontinuierlich weiterentwickelt und bieten neben Spotify, Tidal und Qobuz auch direkten Zugriff auf die kuratierten Inhalte von Highresaudio, einem deutschen Spezialanbieter.

In der Ovation Line sind nun der HDMI-ARC-Anschluss für die Verbindung zum Fernseher und die topmoderne, per App konfigurierbare Phonovorstufe aus der Evolution Line hinzugekommen. Der Ovation CS 8.3 S ist das erste Gerät von AVM, das auch über einen USB-C-Anschluss für eine direkte Audioverbindung zum Computer verfügt.

Der Radioempfang läuft leider immer noch ausschließlich über das Internet; bereits beim CS 8.3 gab es keinen separaten Tuner mehr. Dafür verfügt das neue Flaggschiff nun über vier Boxenklemmen, um bei Bedarf zwei Lautsprecherpaare anzusteuern. Darüber hinaus wurden weitere Details integriert, die von außen nicht sichtbar sind. An der Stromversorgung wurde beispielsweise eine spezielle Filtertechnik für Power Conditioner implementiert. Außerdem wurde ein neuer Kopfhörerverstärker mit exzellenten Messwerten eingebaut. Zuletzt wurden auch das Netzteil und die Verstärkerstufen überarbeitet, was zu einer zusätzlichen Nennleistung von 50 Watt führt.

Im Hörraum musste sich der kompakte Alleskönner einer echten Herausforderung stellen: der knapp 1,90 m großen und fast 100 kg schweren Nubert nuVero nova 18, die sogar das hochbelastbare Equipment im Labor bei der Maximalpegelmessung an ihre Grenzen brachte. Der CS 8.3 S behielt jedoch auch bei extremen Basspegeln die Kontrolle und zeigte sich auch bei steigender Lautstärke weitgehend unbeeindruckt. Klanglich arbeitete er gewohnt analytisch und präzise, mit einer charmanten Wärme, die hauptsächlich von der Röhrenvorstufe stammt. Besonders beeindruckend war jedoch, wie die neue Architektur zusätzliche Plastizität und Transparenz offenbarte und der Musik eine völlig neue Tiefe verlieh.

Fazit

Nicht nur die Ausstattung und die Spezifikationen machen den CS 8.3 S zu einem würdigen Flaggschiff der neuen Ovation-S-Serie. Die zahlreichen klangrelevanten Verbesserungen heben ihn auch auf ein hörbar höheres Niveau.

Messergebnisse

Das Ausgangssignal weist geringe ungeradzahlige Oberwellenreste auf, insbesondere k3 und k5 (grün, schwarz), die vor der Clipping-Grenze einen Anteil von 0,1 % erreichen. Der stabile Class-D-Verstärker zeigt auch bei induktiver und kapazitiver Belastung keine Lastabhängigkeit im Hochtonfrequenzgang. Die Kanalleistung beträgt 172/344/231 W an 8/4/2 Ω (kurzzeitig 450 W). Die Phono-Sektion ist rauscharm: MM 69 dB (mit System), MC 77 dB. Der Kopfhörerausgang zeichnet sich durch einen kleinen Quellwiderstand (7 Ω) und eine hohe Ausgangsspannung (5,8-8,6 V: 32/300 Ω) aus. Der Stromverbrauch liegt zwischen 36 und 870 W.

Hinweis: Die Messergebnisse sind teilweise schlechter als beim Vorgängermodell. Das Testmuster stammte aus einer Vorserienproduktion und war möglicherweise defekt oder falsch konfiguriert.

Über uns und unsere Testmethoden

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