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Seit dem 2. August 2026 ist der AI Act vollständig wirksam – das verändert, wie Unternehmen mit Künstlicher Intelligenz umgehen müssen. Bei der Kommunikationseinheit der Sparkassen wurde diese Umstellung bereits vorweggenommen: Ein internes Governance-System und eine selbst gehostete Automatisierungsarchitektur steuern seit längerem den Umgang mit KI im Newsroom.
Die S‑Communication Services GmbH (S‑Com) verantwortet die Inhalte für sparkasse.de und agiert im Auftrag von rund 340 Sparkassen. Redaktionelle Formate, Ratgebertexte und Kampagnenseiten entstehen dort zentral, bevor sie in die lokalen Kanäle verteilt werden. Vor etwa zwei Jahren hat die Projektleitung den gesamten Produktionsfluss gründlich analysiert und 17 einzelne Arbeitsschritte dokumentiert – viele davon waren bis dahin manuelle Übergaben zwischen Ticket-System, Textverarbeitung, internen Chats und dem CMS.
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Eigenes Compliance-Framework statt Blackbox-Tools
Bei der Überprüfung kamen viele standardisierte, cloudbasierte Automatisierungslösungen nicht infrage: Entscheidend waren Kontrolle über den Serverstandort und die Möglichkeit zum Selfhosting. Deshalb wurde bei S‑Com ein striktes Prüfverfahren etabliert, das neue Werkzeuge über ihren gesamten Lebenszyklus bewertet.

Das Assessment umfasst mehr als hundert Fragen und bindet IT‑Sicherheit, Datenschutz sowie den Betriebsrat ein. Diese Praxis war Teil der internen Kultur, noch bevor die EU‑Regeln in Kraft traten – dadurch war der Schritt zur AI‑Konformität kurzfristig weniger disruptiv.
Nur ein Automatisierungsprodukt erfüllte die Anforderungen vollständig; darauf aufbauend entstand eine Infrastruktur, die Routineaufgaben orchestriert, ohne dass sensible Daten die eigene Umgebung verlassen. Mehrere Prozessschritte laufen inzwischen automatisiert, andere befinden sich in Tests.
Die Effekte sind messbar: Je nach Inhaltstyp verkürzt sich der Produktionsprozess um rund zehn bis zwanzig Prozent, gleichzeitig entfällt die Beauftragung eines externen Qualitätssicherers in vielen Fällen. Trotzdem bleibt menschliche Kontrolle zentral.
Automatisierung mit Augenmaß
Nicht alle Arbeitsschritte wurden ersetzt. Kritische Entscheidungen, stilistische Abstimmung und die Entwicklung einer konsistenten Markenstimme bleiben bewusst in der Hand von Redakteurinnen und Redakteuren. Die frei gewordene Zeit wird vor allem in redaktionelle Sorgfalt investiert: Tonalität, Kontextualisierung und journalistische Prüfung.
- Ganzheitliches Assessment: Jedes Tool wird entlang von Sicherheits-, Datenschutz- und Mitbestimmungskriterien geprüft.
- Data Residency: Serverstandort und Selfhosting sind Entscheidungskriterien, keine Nebensache.
- Modellwahl: Nur klar klassifizierte KI‑Modelle werden für definierte Aufgaben zugelassen.
- Hybridbetrieb: Automatisierung übernimmt Routine; Menschen behalten komplexe redaktionelle Funktionen.
- Schrittweises Ausrollen: Testphasen und Iteration verhindern größere Betriebsrisiken.
- Stakeholder‑Einbindung: IT, Datenschutz und Betriebsrat entscheiden gemeinsam über Einsatz und Grenzen.
Für andere Verlage und Unternehmen in regulierten Bereichen liefert der Fall praktische Erkenntnisse: Governance lässt sich technisch und organisatorisch verankern, erfordert aber Vorkehrungen, die über einfache Tool‑Evaluation hinausgehen. Die Balance zwischen Effizienzgewinnen und redaktioneller Integrität bleibt der Knackpunkt.
Mit dem Inkrafttreten des AI Act ist es keine Frage mehr, ob Governance notwendig ist, sondern wie sie umgesetzt wird. Das Beispiel der Sparkassen zeigt einen Weg: klare Kriterien, eigene Infrastruktur, abgestimmte Prüfprozesse und eine bewusst gemischte Automatisierungsstrategie — wichtig für Compliance, Datensicherheit und die Glaubwürdigkeit journalistischer Inhalte.











