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Ein E‑Bike, das sich wie ein Elektroauto anfühlen soll: Das verspricht das Rivian‑Spin‑off Also mit seinem Modell TM‑B. In einer kurzen Testfahrt habe ich geprüft, ob das Konzept – bei dem die Software die Hauptrolle spielt – wirklich auf der Straße spürbar ist.
Schon beim Anfahren fällt auf: Die Beschleunigung kommt sofort, ohne Motorlärm und fast ohne Anstrengung. Schlaglöcher bügelt das Rad überraschend souverän weg, in Kurven vermittelt es viel Vertrauen. Dieses Gefühl erinnert mehr an moderne Elektroautos als an klassische Pedelecs.
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Wie viel Auto steckt im E‑Bike?
Hinter dem Fahrgefühl steht nicht nur Antriebstechnik, sondern vor allem Software. Rivian verfolgt seit Jahren das Konzept des Software Defined Vehicle: Hardware liefert die Basis, Software bestimmt Verhalten, Updates und neue Funktionen. Bei dem E‑Bike ist dieser Denkansatz deutlich spürbar.

Die Elektronik regelt die Leistungsentfaltung, Dosierung der Unterstützung und offenbar auch die Federungscharakteristik in gewissem Umfang. Ergebnis: Der Schub wirkt abgestimmt, abruptes Nachgeben bleibt aus, und das Zusammenspiel zwischen Motorunterstützung und Fahrerinput wirkt präzise abgestimmt.
Kurz: Das TM‑B fährt sich nicht wie ein gewöhnliches City‑Pedelec. Es ist eher ein softwaregetuntes, elektrifiziertes Fahrrad – mit dem Komfort und der Souveränität, die man von modernen E‑Autos kennt.
Welche Software‑Funktionen zählen wirklich?
Aus meiner Fahrt und der Architektur des Projekts lassen sich einige zentrale Software‑Aufgaben identifizieren. Diese Eigenschaften sind für das Nutzererlebnis entscheidend:
- Over‑the‑air‑Updates: Nachrüstbare Funktionen und Fehlerbehebungen, ohne Werkstattbesuch.
- Anpassbare Fahrmodi: Sportlich, komfortabel oder reichweitenorientiert – per App wählbar.
- Feinsteuerung der Motorleistung: Präzise Drehmomentregelung für bessere Traktion und sanftere Beschleunigung.
- Sicherheitsfunktionen: Bremsassistenten, Stabilitätsregelsysteme oder elektronische Unterstützung bei schlechten Untergründen.
- Vernetzung und Diebstahlschutz: Standortdienste, Sperrmechanismen und Nutzerbindung über digitale Konten.
Diese Features sind keine futuristischen Spielereien: Sie verändern, wie Nutzer ein E‑Bike betreiben und erwarten, dass Hersteller Produkte länger aktuell halten.
Was bedeutet das für Mobilität und Industrie?
Dass Rivian – und damit indirekt auch sein Geschäft mit VW‑Elektronik seit Ende 2024 – jetzt Softwarekompetenz ins Kleinstfahrzeug‑Segment bringt, hat mehrere Folgen. Hersteller denken nicht mehr nur in Fahrzeugtypen, sondern in Plattformen: dieselbe Softwarebasis kann Autos, Pick‑ups und nun auch E‑Bikes steuern.
Für Käufer könnte das bessere Integration, längere Support‑Zeiträume und ein höherer Funktionsumfang bedeuten. Für die Branche heißt es: Wettbewerb verschiebt sich stärker in Richtung Software‑Ökosysteme, Datenservices und Nutzerbindung.
Gleichzeitig entstehen Fragen: Wie werden Updates geregelt? Wer haftet bei Softwarefehlern? Und welche Preise setzen sich durch, wenn Fahrzeug‑Software künftig einen großen Teil des Nutzwerts ausmacht?
Das TM‑B ist kein radikaler Technikbruch – aber ein klares Beispiel dafür, wie Auto‑Elektronik und Softwarearchitektur Erwartungen an E‑Bikes verändern. Wer das klassisch‑mechanische Rad der letzten Jahrzehnte gewohnt ist, trifft hier auf ein Produkt, das stärker digital gesteuert und damit dynamischer weiterentwickelbar ist.
Fazit: Die Testfahrt bestätigt, dass Software mehr ist als ein Buzzword – sie prägt die Fahrdynamik, den Komfort und die Weiterentwicklung eines E‑Bikes. Ob sich dieses Konzept breit durchsetzt, wird sich an Faktoren wie Preis, Service‑Modell und regulatorischer Klarheit entscheiden. Für den Moment aber zeigt das TM‑B, wie sehr die Welt der E‑Mobility auseinanderläuft: nicht nur größer oder kleiner, sondern auch smarter.











