DSL-Ende rückt näher: Millionen Haushalte in Deutschland müssen umrüsten

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Der Wechsel von Kupfer- zu Glasfaserkabeln ist in vollem Gang – aber ein flächendeckendes Ende von DSL steht derzeit nicht unmittelbar bevor. Eine neue Marktanalyse des VATM zeigt, dass Glasfaser zwar wächst, DSL aber weiterhin die größte Nutzerbasis hat und ein verbindlicher Abschalttermin fehlt.

DSL vor Glasfaser: die Lage Ende 2026

Auf kurze Distanz sieht das Bild eindeutig aus: Trotz intensiven Ausbaus der Glasfaser-Technik bleibt das klassische Festnetz über Kupferleitungen in vielen Haushalten die Standardverbindung. Die VATM-Prognose für Ende 2026 macht deutlich, wie groß die Diskrepanz zwischen Ausbau und tatsächlicher Nutzung noch ist.

Angabe Anzahl (Ende 2026, Prognose) Marktanteil
Aktive Breitbandanschlüsse (gesamt) 38,1 Mio.
DSL (aktiv) 21,8 Mio. 57,2 %
Glasfaser (FTTB/FTTH, aktiv) 7,8 Mio. 20,5 %
Kabel (aktiv) 8,5 Mio. 22,3 %

Ausbau vs. Aktivität: die Zahlen hinter dem Fortschritt

Nach VATM sind Ende 2026 rund 32 Millionen Haushalte und Kleingewerbe technisch über Glasfaser erreichbar. Tatsächlich angeschlossen sind davon etwa 12,5 Millionen, genutzt werden nur rund 7,8 Millionen Anschlüsse. Die daraus folgende Gesamtnutzung — die sogenannte Take-up-Rate — liegt bei ungefähr 24,4 Prozent.

Techniker installiert Glasfaserkabel in einer Netzwerkinfrastruktur
Glasfaserausbau in Deutschland: Große Lücke zwischen Verfügbarkeit und tatsächlicher Nutzung.

Wer baut die Netze?

Der Glasfaserausbau wird maßgeblich von Mitbewerbern der Deutschen Telekom vorangetrieben. Von den 12,5 Millionen real angeschlossenen Glasfaseranschlüssen entfallen laut Analyse rund 70 Prozent auf andere Anbieter; bei den aktiv genutzten Anschlüssen liegt ihr Anteil bei etwa 65 Prozent. Die Wettbewerber erreichen zudem eine höhere Take-up-Rate (ca. 30,2 %) als die Telekom (rund 17,9 %).

Dialog-Consult-Geschäftsführer Andreas Walter interpretiert das so: Die Telekom hat weniger Druck, weil sie weiterhin mit klassischen Kupferkunden Geld verdient — ein wirtschaftlicher Grund, nicht alle Ressourcen sofort auf Migration zu konzentrieren.

Warum der Ausbau noch nicht automatisch zum Wechsel führt

Die Lücke zwischen Verfügbarkeit und Buchung ist größer als oft angenommen. Wichtige Gründe:

Person prüft Internetangebote und Verträge am Laptop
Viele Haushalte zögern den Wechsel hinaus – Preis und Vertragsbindungen spielen eine Rolle.

  • Preis-Leistungs-Erwägungen: Viele Haushalte sehen keinen ausreichenden Mehrwert, wenn Glasfaser deutlich teurer ist.
  • Vertragliche Bindungen: Kündigungsfristen und Wechselbarrieren bremsen die schnelle Migration.
  • Awareness und Information: Nicht jede erreichbare Adresse weiß, dass Glasfaser buchbar ist — oder welche Vorteile sie konkret hätte.
  • Provider-Strategien: Manche Anbieter setzen stärker auf den Verkauf neuer Anschlüsse, andere auf Bestandskundenpflege.
  • Technische Gründe: In Mehrparteienhäusern oder ländlichen Lagen ist die Anschlussrealisierung oft komplexer und langsamer.

Wann könnte Glasfaser DSL überholen — und was heißt das für eine Abschaltung?

Die VATM-Prognose nennt 2031 als einen möglichen Wendepunkt, ab dem Glasfaser häufiger genutzt sein könnte als DSL — allerdings nur unter günstigen Voraussetzungen: höhere Buchungsraten, mehr vermarktbare Anschlüsse und verstärkte Kundenakquise. Selbst in diesem Szenario wäre 2031 kein Stichtag für eine automatische Abschaltung bestehender Kupferanschlüsse, sondern eher ein marktwirtschaftlicher Umschlagpunkt.

Wenn der Wechsel langsamer verläuft, könnte DSL auch nach 2031 noch die führende Technologie bleiben. Eine flächendeckende Deaktivierung der Kupfernetze würde dafür eine deutlich andere Ausbau- und Migrationsstrategie voraussetzen — etwa schnellere Umwandlung erreichbarer Leitungen in buchbare Angebote und stärkere Anreize für Kundinnen und Kunden, umzusteigen.

Was bedeutet das für Verbraucherinnen und Verbraucher?

Kurzfristig besteht kein Grund zur Sorge: Wer heute über DSL online ist, muss nicht damit rechnen, über Nacht offline zu sein. Ein bundeseinheitlicher Abschalttermin ist aus den aktuellen Daten nicht ableitbar. Entscheidend bleibt, ob Glasfaser für breite Nutzergruppen wirtschaftlich attraktiv und technisch zugänglich gemacht wird.

Für Provider und Politik heißt das: Ausbau messen reicht nicht. Entscheidend ist, dass Glasfaseranschlüsse tatsächlich buchbar und für Kundinnen und Kunden spürbar vorteilhaft werden — nur dann beschleunigt sich die Migration und damit auch ein möglicher Rückgang der DSL-Nutzung.

Ausblick: Die kommenden Monate sind relevant, weil Anbieter und Kommunen entscheiden, wie sie Ausbau, Vermarktung und Preisgestaltung zusammendenken. Dieser Dreiklang wird bestimmen, ob Glasfaser früher oder später die dominierende Festnetztechnik wird — und ob daraus irgendwann ein konkreter Fahrplan für die Abschaltung von Kupfer entsteht.

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