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Nach fast acht Jahren Fahrt steht die Raumsonde Bepicolombo vor einem kritischen Wendepunkt: Die europäischen und japanischen Teams planen am 3. September die Abkoppelung zweier Orbiter am Merkur — ein Manöver, das den weiteren Verlauf der Mission entscheidend prägen wird. Für Forschende geht es nicht nur um Technik, sondern um neue Einblicke in den am wenigsten erforschten Planeten unseres Sonnensystems.
Warum dieser Moment wichtig ist
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Die aktuelle Phase markiert den Übergang von einer interplanetaren Reise zur eigentlichen Beobachtungsmission. Scheitert die Trennung der beiden Sonden, würden die geplanten Messungen erheblich beeinträchtigt — oder gar nicht stattfinden. Deshalb verfolgen Wissenschaftlerinnen und Ingenieure das Manöver mit äußerster Vorsicht.
Seit dem Start 2018 hat das Raumfahrzeug rund 207 Millionen Kilometer zurückgelegt. Die Europäische Weltraumorganisation ESA bezeichnet das Abkoppeln als besonders anspruchsvoll: viele Schritte müssen präzise aufeinanderfolgen, und Fehler lassen sich nicht korrigieren.
Technik und Risiko
Die Orbiter werden vom Mutterschiff gelöst — ein Vorgang, der in mehreren Simulationen geprobt wurde. Das Team am Europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt hat laut Angaben minutiöse Ablaufpläne erstellt, weil nach dem Abkoppeln keine zweite Chance besteht.

Weil die Signale zur Erde rund elf Minuten für die Übertragung benötigen, bleibt der Ausgang des Manövers für das Team zunächst ungewiss. Erst wenn die Funksignale empfangen sind, wissen die Verantwortlichen, ob beide Sonden wie geplant aktiv sind.
Die Aufgaben der beiden Orbiter
Die Mission setzt erstmals zwei spezialisierte Orbiter gleichzeitig ein, um einen fremden Planeten umfassend zu untersuchen. Ihre Rollen sind klar verteilt:

- Mercury Planetary Orbiter (MPO): Kartierung der Oberfläche, Untersuchung der Geologie sowie multispektrale Bildgebung (Foto-, Infrarot- und Röntgeninstrumente).
- Mercury Magnetosphere Orbiter (Mio): Messung der Magnetosphäre und Beobachtung, wie der Sonnenwind das Magnetfeld beeinflusst.
Der MPO wird Merkur in relativ niedriger Höhe (etwa 480 bis 1.500 Kilometer) umrunden, während Mio in größerer Entfernung bleibt, um das Magnetfeld aus sicherem Abstand zu analysieren.
Zeitplan — was als Nächstes passiert
- 3. September, ab etwa 13:45 Uhr MESZ: Geplante Abkopplung der beiden Orbiter (ESA-Livestream verfügbar).
- Nach der Trennung: Funksignale an die Erde — rund 11 Minuten Übertragungszeit.
- November: Gemeinsamer Eintritt beider Sonden in die Merkurumlaufbahn (vorausgesetzt, das Manöver klappt).
- Monat darauf: Trennung der beiden Orbiter voneinander, um unabhängige Bahnen einzunehmen.
- April 2027: Geplanter Beginn des regulären wissenschaftlichen Messbetriebs.
Die Mission ist ein Gemeinschaftsprojekt von ESA und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA. Nach Angaben der Projektleitung belaufen sich die Kosten auf etwa 1,7 Milliarden Euro.
Was die Ergebnisse bedeuten könnten
Längerfristig verspricht Bepicolombo neue Erkenntnisse zur Entstehung und Entwicklung des Merkur, zu seiner inneren Struktur und zur Wechselwirkung mit dem Sonnenwind. Diese Daten können Modelle zur Planetenbildung und zu magnetosphärischen Prozessen in unserem Sonnensystem deutlich verbessern.
Kurzfristig bleibt die Spannung vor allem bei den Teams: Eine erfolgreiche Trennung ist der Türöffner für Jahre detaillierter Forschung, ein Fehlschlag würde hingegen einen erheblichen Rückschlag bedeuten.
Wer das Ereignis live verfolgen möchte, kann den offiziellen Livestream der ESA einschalten; die Übertragung beginnt zum genannten Zeitpunkt und bietet Einsichten in die Vorgänge während der kritischen Minuten rund um die Abkoppelung.












