Deutschland: digitale Zahlungen überholen Bargeld im Alltag

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Erstmals wurden in Deutschland mehr Einkäufe ohne Bargeld abgewickelt als bar — ein Wendepunkt im Alltagsverkehr. Die neue Studie der Deutschen Bundesbank zeigt, wie rasant Karten, Smartphone und Online‑Verfahren an Bedeutung gewinnen und welche Folgen das für Verbraucher und Anbieter hat.

Die Auswertung für das vergangene Jahr dokumentiert einen klaren Verschiebungseffekt: 55 Prozent der erfassten Zahlungen liefen demnach bargeldlos ab. Das ist ein Novum in der Bundesrepublik und signalisiert, dass die digitale Bezahlinfrastruktur im Alltag zunehmend Fuß fasst.

Wer dominiert an der Kasse — und wer bleibt bei Bargeld?

Unter den nicht‑baren Varianten liegt die Debitkarte vorn: Sie kam bei rund 26 Prozent aller Transaktionen zum Einsatz, wobei die klassische **Girocard** weiterhin den Löwenanteil bei Kartenzahlungen ausmacht. Mobile Zahlverfahren gewinnen schnell an Bedeutung: Bei etwa jedem zehnten Einkauf wurde inzwischen mit dem Smartphone bezahlt — ein Zuwachs von vier Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Auch Internet‑Bezahlmethoden wuchsen deutlich und erreichten einen Anteil von etwa 6 Prozent.

  • 55 % aller erfassten Einkäufe bargeldlos
  • 26 % der Zahlungen mit Debitkarten
  • 10 % Zahlungen per Smartphone (plus 4 Prozentpunkte ggü. 2023)
  • 6 % Internetbezahlverfahren (Anteil verdoppelt)
  • 28 % Anteil der Debitkarten am ausgegebenen Geld; 23 % jeweils Bargeld und Überweisungen (jeweils gemessen am Volumen)

Für viele Verbraucher bleibt Bargeld jedoch unverzichtbar. Ältere Menschen, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Haushalte mit niedrigerem Einkommen und Menschen mit begrenzter digitaler Erfahrung greifen laut Studie häufiger zu Scheinen und Münzen. Insgesamt gaben acht von zehn Befragten an, es sei wichtig, dass Barzahlung weiterhin möglich bleibt.

Akzeptanz und praktische Lücken

Die technische Verfügbarkeit bargeldloser Optionen hat sich verbessert: Bei etwa 86 Prozent der vor Ort erfassten Käufe war Kartenzahlung oder ein anderes nicht‑barbares Verfahren möglich. Trotzdem erlebte knapp ein Viertel der Befragten im vergangenen Monat mindestens einmal, dass bargeldlose Zahlung nicht wie gewünscht funktionierte — sei es wegen fehlender Technik, nicht unterstützter Anbieter oder anderer Gründe.

Bei mobilen Zahlungen dominieren nach wie vor Anbieter aus dem außereuropäischen Raum: **Apple Pay** wurde als das am häufigsten genutzte mobile Verfahren an der Ladenkasse genannt. Im Online‑Bereich führt **PayPal** die Rangliste an und kommt laut Studie auf einen Marktanteil von rund 86 Prozent unter Internetbezahlverfahren.

Politik und Infrastruktur: Was die Bundesbank vorschlägt

Die Bundesbank sieht in europäischen Lösungen eine strategische Antwort auf die starke Präsenz internationaler Plattformen. Neben der Unterstützung von Initiativen wie Wero nennt die Notenbank den geplanten **digitalen Euro** und die Ausweitung von Echtzeit‑Überweisungen als wichtige Bausteine. Zentral sei dabei, die Wahlfreiheit der Menschen zu erhalten: Bargeld und bargeldlose Alternativen sollten nebeneinander bestehen bleiben.

Bundesbank‑Vertreter betonen, dass es nicht nur um Technologie geht, sondern auch um Zugänglichkeit und Kosten: Bargeld soll als einfaches, kostengünstiges und inklusives Zahlungsmittel erhalten bleiben, während gleichzeitig die Infrastruktur für sichere europäische Alternativen gestärkt wird.

Konsequenzen für Verbraucher und Händler

Für Konsumenten bedeutet der Wandel mehr Bequemlichkeit — aber auch neue Abwägungen in puncto Datenschutz, Anbieterwahl und Zahlungsfreiheit. Händler müssen ihr Terminal‑Setup anpassen und zugleich hybride Lösungen anbieten, damit kein Kunde ausgeschlossen wird.

Für die öffentliche Hand und die Aufsicht stellt sich die Frage, wie man Zahlungs‑Souveränität und Wettbewerb fördert, ohne vulnerable Gruppen von wichtigen Diensten abzuschneiden. Die Bundesbank‑Studie liefert grundsätzliche Daten dafür, konkrete Entscheidungen liegen nun bei Politik, Finanzwirtschaft und Verbraucherschützern.

Kurzfristig ist mit weiterem Wachstum bei mobilen und internetbasierten Zahlungen zu rechnen. Entscheidend bleibt, dass technische Verfügbarkeit, rechtliche Rahmenbedingungen und Nutzerakzeptanz parallel entwickelt werden — nur so bleibt die Bezahlwelt sowohl modern als auch zugänglich.

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