Test Omnitronic CMX-2000

Test & Review / Mischpult

Der Omnitronic CMX-2000 ist ein 2-Kanal Mischpult mit Midi Funktionen und eingebauter Soundkarte für Timecode, klingt nach der eierlegenden Wollmilchsau – schauen wir mal nach was dahinter steckt.
Omnitronic? – ein Mischpult? Meine Antwort darauf: ja! Seit 1996 stellt Steinigke unter der Marke Omnitronic auch DJ Produkte für den eher schmaleren Geldbeutel her, neben Reloop und Native Instruments eine der letzten deutschen Namen am großen DJ Markt. Generell ist jetzt Omnitronic nicht im hochpreisigen Segment unterwegs und stellt meist die günstigere Alternative am Markt dar. Der CMX-2000 ist meiner Meinung nach eine dieser Alternativen – dabei muss günstig nicht gleich schlecht bedeuten. Das hat Omnitronic in jüngster Vergangenheit vor allem durch den analogen Rotary Mixer TRM-202 unter Beweis gestellt und von sich reden gemacht.
Der CMX-2000 konnte auch mich durchaus überzeugen.

Omnitronic CMX-2000
Omnitronic CMX-2000

Der erste Eindruck:
Alles ist gut verpackt, aus der Verpackung kommen direkt 2 DJ-Softwares (Virtual DJ 7 LE & ONE DJ Start Edition), ein gedrucktes Handbuch, Werbeflyer für die 2000er DJ Serie und ein Stromkabel heraus.
Das Layout eines klassischen 2-Kanal Mischpults wurde nicht groß verändert, jeder der schon einmal ein Mischpult in den Händen hatte findet sich sofort zurecht. Auffällig ist die bunte Sequenz der beleuchteten Knöpfe des Mischpultes direkt beim Einschalten und die umfangreichen Fadereinstellungen an der Vorderseite – dazu aber später mehr.
Das kompakte Mischpult steht auf vier Gummifüßen und rutscht nicht hin und her. Die Form ist mit den abgerundeten Ecken an Vorder- und Rückseite etwas gewöhnungsbedürftig. Das kenne ich bislang nur von der Nexus Reihe von Pioneer. Bei Pioneer passt es auch zum Rest der Nexus Geräte. Der CMX-2000 hingegen hat in der Omnitronic 2000er Serie keinen Design Partner gefunden, was sehr schade ist. Daher wirkt der CMX-2000 vom Design etwas verloren zwischen der anderen DJ Hardware die zumeist gerade Kanten hat.
Der Look an sich ist dennoch nicht schlecht, die Faceplate ist optisch gesplittet. Die Mixer Sektion ist matt gehalten, die Midi Sektionen wie auch die runden Kanten haben ein glänzendes Finish bekommen.

Omnitronic CMX-2000
Omnitronic CMX-2000

Anschlüsse:
Wir rollen das Feld mal von hinten auf, an der Rückseite findet man jeweils zwei Eingänge pro Kanal, Line und einen umschaltbaren Phono (mit einer etwas fummeligen Ground Schraube) / Line Eingang. Beide Kanäle haben eine Fader-Start Funktion und daher einen zusätzlichen 3,5 mm Klinke Anschluss. Für nicht verwendete Eingänge sind Cinch Kappen dabei um die nicht verwendeten Eingänge vor Staub und Schmutz zu schützen und zu erden, das kenne ich bislang nur von Pioneer und Allen & Heath.
Fürs Mikrofon findet man einen XLR / 6,3 mm Combo-Anschluss und für denselben Eingang eine Möglichkeit um eine zusätzliche Quelle über AUX anzuschließen.
Der Master Ausgang hat XLR und Cinch zur Verfügung. Den XLR Buchsen hat Omnitronic noch zwei Gummi Abdeckkappen spendiert. Sollte das Mischpult beim Kauf nur für dich für zu Hause gedacht sein sind auch diese Anschlüsse geschützt – das gefällt mir sehr gut. Weiter gibt es in der Master Sektion noch einen separaten Booth Ausgang der sich auch einzeln in der Lautstärke ansteuern lässt.
Weiter findet man noch den USB Anschluss, hier hat der CMX-2000 noch eine kleine Kunststoff-Lasche um das Kabel zu fixieren und eine Zugentlastung zu erzeugen (leider nur mit Schraubendreher möglich, dafür hält es auch), so läuft man nicht Gefahr dass der Stecker versehentlich am Mischpult gezogen wird.
Natürlich kann man das Mischpult an der Rückseite auch Ein- und Ausschalten und wird über ein klassisches Kaltgerätestromkabel (im Lieferumfang enthalten) mit Strom versorgt, der Anschluss für ein Kensington Schloss ist ebenfalls vorhanden.
An der Vorderseite findet man noch zwei Anschlüsse für den Kopfhörer, einmal 6,3 mm und dann noch den kleineren 3,5mm Anschluss.
Alle Cinch Anschlüsse sind vergoldet, auch der XLR Master Ausgang hat vergoldete Pins, das gilt auch für den großen 6,3mm Anschluss für den Kopfhörer.

Omnitronic CMX-2000
Omnitronic CMX-2000

Mixer Sektion:
Hier fängt der „Overload“ an, neben den zahlreichen Midi Funktionen die das Layout dominieren gibt’s zum eingequetschten klassischen Layout nicht viel Neues zu schreiben, von oben nach unten: Wahl der Quelle über einen Drehschalter, Kanal Gain, EQ mit Hi, Mid, Lo und dann noch ein bipolares Filter – pro Kanal! Das Filter klingt an sich ganz gut, da habe ich schon wesentlich schlechtere gehört. Mir gefällt dabei vor allem dass die Resonanz schön hörbar ist aber der Effekt nicht die eigentliche Kanallautstärke überschreitet. Das Filter, wie auch die EQ Potis rasten in der Mitte ein, was Sinn macht.
Außer den Filtern hat der CMX-2000 keine Effekte an Board, bietet leider auch keine Send/Return Schleife an um es nachträglich analog zu erweitern – kann dafür aber mit Midi Funktionen trumpfen und Effekte in der DJ Software steuern.
Die Kanalfader sind relativ leichtgängig, bieten nur geringen Widerstand. Der Crossfader läuft noch etwas leichter. Alle drei Fader können einzeln (!) über Reverse und Kurve Einstellungen an der Vorderseite angepasst werden, optimal Voraussetzungen also für jede Art von Scratching.
Jeder Kanal kann natürlich einzeln auf den Cue gelegt werden, der zuvor erwähnte Fader-Start lässt sich unterhalb des Kanal-Faders noch einzeln ein- und ausschalten.
Fürs Mikrofon hat man in der Mitte noch eine einfache Tone Einstellung, die Lautstärke und eine Talk-Over Funktion.
Der Kopfhörer Ausgang wird oben links mit einem Lautstärke Poti sowie Cue/Master Verhältnis Einstellung geregelt. Die Lautstärke am Ausgang empfand ich als etwas schwächer als bei meinem Xone DB4, jedoch noch als akzeptabel.

Omnitronic CMX-2000
Omnitronic CMX-2000

Midi, Soundkarte und Timecode:
Links und rechts von den Kanalzügen finden sich die Midi Einheiten für jedes Deck. Steuern soll man damit eine der mitgelieferten Software Virtual DJ 7 LE (leider ohne Upgrade auf die aktuelle Version 8) oder One DJ Start Edition die beide dem Mischpult beiliegen. Natürlich kann man mit dem CMX-2000 auch Traktor steuern – das Mapping gibt’s direkt auf der Homepage von Omnitronic.
Generell hat jede Seite 4 Effekt Knöpfe und dazu 4 Potis. Die Loops kann man über einen Drehencoder steuern was sehr spaßig ist. Sollte der Titel mal aus dem Ruder laufen kann man ihn mit einen Wippschalter über die Pitch-Bend Funktion anpassen – eine Funktion die ich erstmals beim Zomo MC-1000 gesehen habe und für mich auch praktikabel ist. Darunter findet man die Transportsektion mit welcher sich auch bis zu 8 Hot-Cues steuern lassen.
In der Software kann man bis zu vier Decks steuern, der CMX-2000 bietet Buttons um zwischen Deck A/C und B/D zu switchen.
In der Mitte des Mischpultes findet man Midi Funktionen zum ansteuern von Video FX in VDJ, sowie ganz oben einen Dreh-Push-Encoder für das Browsen in der Musiksammlung und einen Load Knopf für das linke und rechte Deck. Ebenfalls ist hier knapp über den Kanalfadern mittig der Shift Knopf angebracht über den nahezu jedes Bedienelement eine zweite Funktion erhält.
Generell muss man hier erwähnen dass wirklich jedes Knöpfchen und Poti Midi fähig ist, das gilt sogar für alle Fader Einstellungen an der Vorderseite.

Die Soundkarte bietet 2x Stereo Eingänge sowie 2x Stereo Ausgänge an, damit ist das Mischpult für Timecode (DVS) gerüstet. Das kleine Pult ist in einem funktionierenden Timecode Setup eine echte Spaßbombe und ich hatte damit ein paar tolle Stunden in meinem Studio.
Leider wird aber von keiner der mitgelieferten Software Timecode unterstützt. Dennoch habe ich es bei mir mit Mixvibes Cross und Virtual DJ 8 Pro ausprobiert. Die Latenzen wie auch Klang sind bei mir sauber und ruckelfrei (hängt natürlich auch immer von Software und Rechner Setup ab). Gepaart mit den zahlreichen Midi Funktionen hat man ein erweitertes DJ Timecode Setup.
Will man mit Timecode spielen muss man den Kanal Schalter auf DVS legen, erst dann wird das Signal des Line/Phono Eingangs im CMX-2000 entsprechend an den Computer geroutet. Das passiert nicht wenn der Schalter nur auf USB steht. Warum das so ist war mir nicht schlüssig, schließlich kann ich das Master Signal auch nicht Aufnehmen wenn ich die Schalter auf USB stelle. Habe dann also zwei ungenutzte USB Stereo Signale.

Omnitronic CMX-2000
Omnitronic CMX-2000

Die Midi-Crux:
Nahezu endlose Möglichkeiten gibt es durch eine Midi Implementierung und beim CMX-2000 wurden nahezu alle Knöpfe und Potis integriert und sind Midi fähig.
Leider ist aber das Mapping und die Beschriftung in meinen Augen nicht ganz zu Ende gedacht worden. Die Aufteilung der FX Midi Sektion macht mit der mitgelieferten Software VDJ 7 wenig Sinn, auf dem Effektparameter 3 noch die Tonhöhenregulierung implementiert, bietet aber leider keine Rast Funktion. Ich habe für mich persönlich das Mapping in VDJ noch etwas modifiziert um noch den Pitch anzusteuern und das Timecode Signal vom Plattenspieler auf Deck 1 oder Deck 2 zu legen.
Das Layout und die Beschriftung der Midi Knöpfe macht jedoch mehr Sinn wenn man mit Traktor arbeitet, hier darf man dann aber nicht mit einer Timecode Zertifizierung ála Traktor Scratch rechnen – Timecode funktioniert mit Traktor und der integrierten Soundkarte also nicht. Das Mapping bekommt man auf der Omnitronic Homepage. Bei Serato DJ lassen sich natürlich auch einige Midi Funktionen Mappen, da man aber für Serato eine zertifizierte Software braucht (SL Soundkarte, DS1 oder Controller) macht der CMX-2000 hier wirklich wenig Sinn.
Zu One DJ kann man bezüglich des Mappings nicht viel sagen, die Software setzt voraus dass man Spaß daran hat selbst Einstellungen zu treffen. Die Benutzeroberfläche ist modular aufgebaut und lässt sich komplett an die eigenen Bedürfnisse anpassen.
Mit Mixvibes hat das Timecode Setup problemlos funktioniert, jedoch gibt’s hierfür leider kein Mapping.
Irgendwo fehlt mir in diesem Bezug beim CMX-2000 und den gelieferten Mappings und der nicht DVS fähigen Software der letzte Schliff, was sehr schade ist da der Mixer ans sich wirklich Spaß macht!

Sound:
In meinem Studio ist mir nichts negativ am Klang des CMX-2000 aufgefallen, auch habe ich keinerlei Grundrauschen feststellen können.
Generell ist der Klang selbst meist eine subjektive Wahrnehmung. In meinen Ohren klang er relativ warm. Vor allem haben mir die Kanal Filter sehr gut gefallen, der Klang vom VDJ Filter (auch in der aktuellen Version 8) halte ich für wesentlich schlechter. Die Reso ist schön hörbar aber nicht zu präsent.
Die Audio Wiedergabe der Soundkarte war trotz nur 16 Bit Auflösung und 48 kHz Abtastrate sehr gut und klar, die Latenzen waren mit meinem Timecode Setup wie schon erwähnt ebenfalls gut.

Fazit:
Der CMX-2000 von Omnitronict rockt in einem DVS Setup und genau dafür ist er ausgelegt – digital mit Software zu arbeiten. Das kleine 2-Kanal Mischpult (2 +1 Kanäle ) hat durch die vielen Midi Möglichkeiten einen wirklich enorm großen Funktionsumfang, dazu noch gut klingende bipolare Filter pro Kanal.
Die Implementierung der vielen Midi Funktionen könnte jedoch besser sein, lässt aber auch viel Spielraum für die DJs die gerne am eigenen Mapping schrauben. Mit der mitgelieferten Software kann man leider kein Timecode nutzen obwohl es der Mixer kann.
Bräuchte man normalerweise einen Midi Controller, eine DVS fähige Soundkarte und ein Mischpult um alle Funktionen des Omnitronic CMX-2000 abzudecken ist das Preis/Leistungs-Verhältnis mit einem derzeitigen Straßenpreis von ca. 380 € nahezu unschlagbar.

+ guter Klang
+ tolle Filter
+ Fader Einstellungsmöglichkeiten von Cross und Linefader
+ Soundkarte ist Timecode kompatibel
+ umfangreiche Midi Funktionen
+ Anschlussmöglichkeiten
+ Abdeckungen am Master XLR und Cinch Erdungskappen
Midi Mapping und Beschriftungen nicht zu Ende gedacht
– mitgelieferte Software nicht DVS fähig
– keine weiteren analoge Effektmöglichkeit am Pult (Send/Return)
– eigenwilliges Design

Omnitronic CMX-2000
Omnitronic CMX-2000
Omnitronic CMX-2000
Omnitronic CMX-2000 vorne
Omnitronic CMX-2000
Omnitronic CMX-2000 hinten

Technische Daten:
Spannungsversorgung: 100-240 V AC, 50/60 Hz ~
Gesamtanschlusswert: 14 W
Line Eingänge: 2 x Stereo-Cinch
Line/Phono Eingänge: 2 x Stereo-Cinch, umschaltbar
DJ-Mikrofon: Kombination XLR/6,3-mm-Klinke, sym.
Aux Eingang: 3,5-mm-Klinke und Stereo-Cinch
Master Ausgang: XLR L/R und Stereo-Cinch
Booth Ausgang: Stereo-Cinch
Kopfhörer Ausgang: 3,5-mm- und 6,3-mm-Klinke
USB-Anschluss: 2.0, Typ B
Wandler: 16 Bit
Abtastrate: 48 kHz
Faderstart: 2 x 3,5-mm-Klinke
Maße: 360 x 265 x 105 mm
Gewicht: 4 kg
Versandgewicht: 4,40 kg

Hersteller Seite: Omnitronic CMX-2000

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Jan Schmidt

Jan Schmidt

Herr Schmidt bei Müller & Schmidt
Bin der Autor und Gründer von Deejay-Basics.de.
Selbst stehe ich seit 2001 im mobilen Bereich hinter dem DJ-Mischpult, hauptberuflich jedoch Wirtschaftsingenieur. Deshalb mein großes Interesse an der Technik und technischen Spielereien rund um das Thema DJing. Speziell die Grundlagen liegen mir am Herzen.
Mit meinem Kumpel Patrick habe ich 2014 ein neues DJ-Projekt unter dem Namen "Müller & Schmidt" gestartet.
Jan Schmidt

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