Wie bekomme ich DJ Auftritte?

Leserfragen

DJ Auftritte? Leser Oliver hat mir kürzlich eine Frage gesendet wie sie essentieller kaum sein könnte:

Ich habe mir das Auflegen seit 2008 selbst beigebracht. Und meine Frage aller Fragen ist die: Wie kommt man an einen Auftritt oder verschafft sich Gehör wenn sich anscheinend niemand für das was man tut interessiert?

Manchmal ist es zum verzweifeln, man weiß was man auf dem Kasten hat aber die Bookings bleiben einfach aus.

Hier mal ein paar Gedanken, Ideen und Tipps wie man an DJ Auftritte kommt.

1. Die Bedroomer Falle

Unter einem Bedroomer (bedroom = Englisch für Schlafzimmer) versteht man Leute die zu Hause Musik machen und oder zu Hause auflegen. Soweit so gut, daran ist bestimmt nichts ungewöhnliches. Das DJing avanciert immer mehr zum Volkssport und man kann sich für kleines Geld schon Einstiegsequipment kaufen, irgendwie scheint heute jeder irgendwie DJ zu sein.

Schwierig wird es dann aber aus den eigenen vier Wänden heraus einen Auftritt zu bekommen und aus der Masse heraus zu stechen. Egal wie sehr Du deine DJ Techniken ausgefeilt hast, tausende Mixe irgendwo online hoch geladen hast oder wie teuer dein Equipment ist das du zu Hause stehen hast, wer nicht außerhalb der vier Wände denkt und auch selbst nicht den inneren Schweinehund überwindet und die Abende lieber auf der Couch verbringt bekommt nur sehr unwahrscheinlich ein Booking.

2. Leute kennen und Netzwerke schaffen

Einer der Punkte schlecht hin und meiner Meinung nach fast der wichtigste überhaupt ist Leute zu kennen, damit meine ich keine “Freundschaft” über drei Ecken auf einer sozialen Plattform im Internet. Mal raus gehen, Teil einer Szene sein, seinen Bekanntenkreis erweitern. Egal ob du als Mobil DJ, Hip-Hopper oder EDM DJ tätig sein willst. Ohne die richtigen Leute zu kennen kommt man nirgendwo hin. Es ist meiner Erfahrung oft so das jemanden einen kennt der wieder jemanden kennt usw., das klassische Schneeballsystem eben. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen das ich so zu 90 % an meine DJ Auftritte komme.

3. Klein anfangen

Bewusst klein Anfangen ist für mich sehr wichtig gewesen. Erste Erfahrungen sammeln die man dann in den nächsten Gigs wieder ein- und umsetzen kann. Du wirst es auch kaum schaffen  im ersten Booking direkt einen Abend lang den Main-Floor zu füllen und am tanzen zu halten. Das wäre in meinen Augen in eher langfristiges Ziel – aber bestimmt keines für den ersten Abend. Ohne das Publikum und die Tricks der Resident-DJs zu kennen hat man da eigentlich keine Chance. Das beginnt schon bei einem entsprechend fundierten Wissen über das Publikum und fordert auch ein gewisses Know-How und Repertoire an Musik.

Für den Anfang kann man sich als Warm-Up DJ anbieten, hier und da Gelegenheiten nutzen mal ne Stunde oder zwei Musik aufzulegen, evtl. in der Kneipe am Eck, sich als Springer anbieten, die After-Hour übernehmen oder sogar in der Mode-Boutique in der Fußgängerzone am Samstag Nachmittag.

Mit klein Anfangen ist auch die Vorstellung an deine Gage gemeint. Klar Musik aufzulegen ist kein günstiges Hobby, umso schöner ist es dann wenn es sich auf lange Zeit vielleicht trägt oder sogar ein paar Euro dabei liegen bleiben. Am Anfang kann man auch gerne mal gegen Verpflegung oder einen kleineren Obolus einen Abend bestreiten. Da ist es schwer einen Mittelweg zwischen umsonst als DJ spielen und realistischen Vorstellungen als DJ zu finden. Schlage Dir aber auf jeden Fall eine 500 € Gage aus dem Kopf, der Betrag steht für einen Anfänger nicht zur Verfügung. Dennoch sollte man nicht immer für umsonst spielen.

Klein Anfangen – gilt ebenso an das verwendete Equipment. Keiner kann erwarten das ein DJ Neuling schon den vollen Funktionsumfang der Pioneer Nexus Player kennt und mit diesen umgehen kann. Genau so wenig bringt es Dir was wenn du dem Veranstalter sagst du würdest diese Player gerne verwenden obwohl du damit keine Erfahrung hast, schon gar nicht wenn dieses Equipment am Veranstaltungsort nicht verfügbar ist. Nimm lieber deinen Controller und dein Equipment selbst mit, das kennst Du und bist damit auch sicher. Wichtig ist auch das Mitbringen eigener Technik mit dem Veranstalter abzusprechen, oft gibt es einen Techniker der es gar nicht gern sieht wenn man selbst an der Technik fummelt. Selbst wenn es nur ein paar Cinch Kabel sind, geh auf Nummer sicher und kläre die Punkte im Voraus ab.

4. Die wichtigsten Fragen an Dich selbst

Bei der vielen Energie die man in seine Werbung, Visitenkarte und Suche nach DJ Auftritten steckt und sich gerne vorstellt mal in der angesagtesten Location im Ort zu spielen muss man sich mal ein paar essentielle Fragen stellen:

  • Passe ich musikalisch da rein wo ich hin will?
  • Was unterscheidet mich von DJ XY der ähnliche Musik spielt?
  • Ist der Musikstil den man auflegen möchte dort überhaupt relevant und gefragt?
  • Gibt es in diesem Ort überhaupt ein Publikum für meine Musikrichtung die ich spielen möchte?
  • Reicht mein Musikrepertoire aus um einen kompletten Abend zu bestreiten oder beschränke ich mich lieber auf 2 Stunden Warm Up oder After Hour?
  • Habe ich einen “Plan B” in der Rückhand wenn das Publikum nicht auf meine Musikauswahl anspringt?

5. Deine Musiksammlung

Der Erfolg deiner DJ Auftritte steht und fällt mit deiner Musiksammlung. Dabei gilt vor allem eines, Du selbst musst dich zwischen den vielen Musiktiteln zu Recht finden. Die Organisation ist daher extrem wichtig.
Kannst Du zudem mit Musik aufwarten welche das Publikum zum tanzen bringt die außerhalb der gängigen Charts liegt? So hast du schon einen Trumpf mehr im Ärmel. Soll bedeuten: es gibt sehr viel gute Musik neben den Top 40 Charts oder den Beatport Top Hits – die ja bekanntlich jeder spielt. Augen und Ohren immer offen halten, oft sind es kleine musikalische Perlen die Dich von anderen abheben, ganz gleich ob das ein kommender Hit oder ein eher seltener Klassiker ist.

6. Talente nutzen

Nun gehe ich mal davon aus wir wissen nun wie man Musik auflegt, cuttet, beatmatched und nen schönen Mix am EQ macht. Auch wenn Du musikalisch neben dem Auflegen ein Talent hast kannst Du versuchen dies zu nutzen und eigene Edits oder sogar Mashups machen die sonst kein DJ hat und zu deinem Style passen.
Software dafür ist mittlerweile sehr erschwinglich, wer ein Feeling dafür hat bekommt auch schnell gute Ergebnisse. Wer diesen Weg geht kann auch versuchen sich darüber mehr Gehör zu verschaffen. Wenn dein Mashup, Edit oder Remix im Netz richtig platziert ist und viele Klicks bekommt oder im besten Fall sogar gehyped wird hat Glück und man bekommt schneller ein Booking da man es als Referenz nutzen kann.

Vielleicht hast du noch mehr Talente die Dir dabei helfen können an Gigs zu kommen. Beispielsweise kannst du selbst Flyer gestalten, kannst extrem gut promoten oder bist gut am Mikrofon. Man kann sich dies alles überlegen wie man das in seinen DJ Auftritt und seine Vermarktung mit einfließen lässt.

7. Ehrlichkeit

Mal noch was nebenbei, als Bonus sozusagen. Wer nen Mix online stellt und kurz darauf schon tausende Plays hat aber keine DJ Auftritte nachweisen kann, ein Facebook Profile mit 2.000 Likes hat aber der DJ Kalender leer ist – da wird man schnell misstrauisch. Keiner braucht mit 50 DJ Auftritten im Jahr prahlen wenn man nur zu Hause am Samstag für sich allein nen Podcast aufnimmt den irgendwo hochlädt oder an Omas Geburtstag ne Playliste laufen lässt. Wer hier versucht mit gekauften Plays oder Likes auf den Netzwerken zu trumpfen wird sich schnell wundern dass er eben nicht gebucht wird und weiterhin seine Wochenenden damit verbringt sinnlos Geld für gekaufte Likes zu verbrennen.

Ehrlichkeit währt am längsten – das merkt dein Gegenüber ganz schnell. Es ist keine Schande zuzugeben, dass es der erste oder zweite Gig ist. Umso besser steht man auch da, wenn die Meute richtig abfeiert und der Auftritt ein Erfolg war.

8. Notnagel – zwei Ideen

1. Eine Veranstaltung selbst organisieren

Es will leider irgendwie nicht mit dem Booking klappen, nimm die Sache selbst in die Hand und zeige Initiative. Sei Dir aber bewusst das es extrem viele Faktoren gibt die man bei einer eigenen Veranstaltung berücksichtigen muss. Hole ich mir eine komplett leere Location oder kann ich mit einem Club oder Veranstaltungsort einen Deal machen. Wenn die Location leer ist gilt es vielerlei Faktoren zu berücksichtigen (keine komplette Liste): Schankgenehmigung, gibt es eine Sperrstunde in der Stadt die man einhalten muss, Bar Personal, Getränkelieferanten, Technik, Beleuchtung, Security, Werbung etc.. Da wird einem schnell bewusst das man diese ganzen Dinge nicht im Alleingang stemmen kann. Man benötigt wirklich Manpower. Am besten ist es wenn man einen Verein im Hintergrund hat der Tatkräftig mithilft aber dann natürlich auch angemessen am Gewinn beteiligt werden will. Wenn deine Veranstaltung gut funktioniert kann man daraus ein Konzept für eine Reihe erstellen und damit an Clubs, Promoter herantreten.

2. Webradio / Podcast

Es gibt zig tausende Webradio Sender die eigentlich fast immer auf der Suche nach frischem Wind sind. Auf die technischen Voraussetzungen um im Webradio zu streamen möchte ich jetzt nicht genauer eingehen. Schau Dir die Webseite des Webradios genau an, ob diese professionell wirkt und passt dein Musikstil zum Programm? Ob zwei Stunden Sendung auf dem Hinterland-Techno-FM Webradio deine Bekanntheit steigert ist zu bezweifeln, dennoch gibt es Vorteile:

  • Du bekommst Routine, was für DJs sehr wichtig ist. Wenn man wöchentlich eine Sendung vorbereitet, nicht immer die selben Tracks spielen möchte und zudem live streamt und live mixt ist das schon ne feine Sache.
  • Ein Webradio verfügt über Lizenzen die es erlauben deinen Stream zu speichern und später als z.B. als Podcast zu veröffentlichen. Lass Dir das aber vom Webradio schriftlich geben das alles mit rechten Dingen zu geht. Technisch ist ein Webradio schnell etabliert, in Deutschland ist es jedoch mit den Lizenzen relativ teuer und umständlich.
  • Gute Webradios können auch gerne in deiner Vita als Referenz auftauchen, das kann ggf. ein Türöffner für Dich sein um in den Club als DJ zu kommen.

Fazit

An Gigs zu kommen ist manchmal nicht einfach. Hoffentlich konnte ich Euch ein paar Ideen und Denkanstöße geben wie es dennoch klappen kann. Hat man den Fuß erstmal in der Tür und hat seine Sache gut gemacht wird die Sache mit den DJ Auftritten schnell zum Selbstläufer. Dennoch muss man immer am Ball bleiben um sich weiter zu entwickeln.

Abschließend meine Frage an Dich: wie hat es bei Dir angefangen mit den ersten Bookings und Auftritten als DJ, was sind deine Erfahrungen?

 

Wie komme ich an DJ Auftritte?
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Jan Schmidt
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1 Gedanke zu „Wie bekomme ich DJ Auftritte?“

  1. Super artikel, coole tipps. Ich würde gerne noch meine persönlichen Ratschlag hinzugeben: Optune.me. Eine ganz neue bookingplattform, macht dir das Leben als DJ einiges einfacher, automatisiert viele nervige und zeitaufwendige Prozesse und vor allem: Es hilft dir Gigs zu bekommen. Vill Glück in euer Karriere!

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